Tierheilpraktikerin im Hundezentrum Hoffmann Sabine Kerscher
        Tierheilpraktikerin im Hundezentrum Hoffmann                                    Sabine Kerscher 

Silvesterangst bei Hunden

 

Angst zu haben ist angeboren, biologisch sehr sinnvoll und sichert das Überleben jedes Individuums. So gilt: Wer keine Angst hat, überlebt nicht! Ohne Angst würde sich ein Hund Gefahren aussetzen und dabei sein Leben riskieren, vielleicht vom Balkon stürzen oder bei einem näherkommenden Auto nicht ausweichen. Auf der anderen Seite sehen wir Tiere, die sich sehr stark vor bestimmten Geräuschen ängstigen und vor allem rund um Silvester

großem Stress ausgesetzt sind.

 

Viele Besitzer wissen um die Geräuschphobie ihrer Hunde beim Knallen von

Feuerwerkskörpern an Silvester. Die Reaktion auf das Geräusch wird meistens von Jahr zu Jahr schlimmer, die Phobie mit der Zeit schon bei leiseren Knallern erkennbar. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Angstprobleme immer therapiert werden sollten. Ein Leben mit andauernder Angst führt zu einem chronischen negativen Stressgeschehen und ist ein tierschutzrelevantes Problem.

 

Ursachen

 

Genetische Disposition

 

Bestimmte Rassen (Border Collies, Bearded Collies) sind häufiger von einer

Geräuschempfindlichkeit betroffen als andere. Die Phobie (z.B. bei Gewitter, Feuerwerk etc.) wird bei diesen Hunden zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr offensichtlich und ist genetisch fixiert. Dies bedeutet nicht, dass jeder Hund eines Wurfes eine Geräuschempfindlichkeit entwickelt. Es tritt jedoch eine starke Häufung in einigen Zuchtlinien auf.

 

Mangelhafte Habituation

 

Dies ist der Fall, wenn Welpen nicht ausreichend mit verschiedenen Geräuschen, z.B. Haushaltsgeräten wie Staubsaugern und anderen Küchengeräten, dosiert konfrontiert wurden. Dies ist sinnvoll, damit er später keine Angst vor Geräuschen hat.

 

Lernerfahrung

 

Die Angst vor einem bestimmten Geräusch (z.B. Donner) wird im Verlauf immer stärker, da die Angst vor der Angst hinzukommt. Zu beobachten ist dies bei der Gewitterangst: zunächst ist es der Donner, der die Angst auslöst, bald schon der starke Regen, der den baldigen Donner ankündigt, zu guter Letzt reicht der sich ändernde Luftdruck vor einem Gewitter, um die Angst auszulösen.

 

Verstärkung durch den Besitzer

 

Der verständliche Versuch, dem ängstlichen Hund durch gutes Zureden oder Streicheln Trost zu spenden, verschlimmert das Problem nur noch weiter. Die Zuwendung in diesem Moment stellt eine Aufmerksamkeit dar und bestätigt damit das Angstverhaltens des Vierbeiners. Deutlich wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass ein Hund die Bedeutung der menschlichen Sprache (außer ein paar Worten) nicht versteht. Der Tonfall jedoch ist bei einer Beruhigung und einem Lob gleich. Übersetzt wird dem ängstlichen Hund

also vermittelt: „Brav bist du; Toll machst du das mit deiner Angst; Genau richtig verhältst du dich! Hab schön weiter Angst, dann bekommst Du Aufmerksamkeit in Form von Lob und Streicheleinheiten.“ Genau das wollen Hundebesitzer ja gerade nicht.

 

Symptome

 

Woran erkenne ich nun, dass mein Hund Angst hat? Die Körpersprache des Hundes lässt

Rückschlüsse auf seinen emotionalen Zustand zu. Symptome ängstlichen Verhaltens sind:

 

  •  die zurückgelegten bzw. zurückgezogenen Ohren und eine zurückgezogene Gesichtsmuskulatur

  •  eine geduckte Haltung mit geringer allgemeiner Körperspannung auf den Rücken drehen

  • eine tief getragene oder unter dem Bauch eingezogene Rute ggf. der Einsatz von Beschwichtigungs- oder Demutsgesten (Blickabwenden, Körperabwenden, eigenes Maul lecken usw.)

  • versteinertes Stehen oder Liegenbleiben

  • die Weigerung weiterzugehen

  • Ausweichen, Flucht

  •  

  • aber auch

  •  

  • eine hohe allgemeine Körperspannung (verkrampfte Haltung)

  • auf der gesamten Rückenlinie aufgestellte Haare

  • bis hin zum aggressiven Verhalten

     

Akustische Signale können sein: Jaulen, Winseln, Knurren, Bellen, Heulen bis hin zum Schreien.

 

Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen bei Angstverhalten zeichnet sich eine Geräuschphobie durch eine meist stärkere Reaktion als bei anderen Ängsten aus. Die Tiere erschrecken, wenn das Geräusch auftritt, verlassen wenn möglich den Raum oder Platz, flüchten, verkriechen sich, bis hin zu Verletzung bei Ausbruchsversuchen. Sie sind kaum ansprechbar und es dauert eine Weile, bis sie sich wieder gänzlich entspannen.

 

Wie kann ich meinem Hund helfen?

 

Halter mit Hunden, die unter einer Geräuschphobie leiden, sind oft ziemlich verzweifelt. Der geliebte Vierbeiner reagiert panisch auf bestimmte Geräusche und die Besitzer wollen ihm verständlicher Weise schnell helfen. Die Geräuschempfindlichkeit ist ein Problem, das sich nicht von einem auf den anderen Tag lösen lässt. Erste Hilfe Maßnahmen – wenn der Besitzer kurz vor Silvester Hilfe sucht, sind:

 

  • Eventuelle Erkrankungen können verstärkend wirken: Sie müssen identifiziert und ggf. behandelt werden.

  • Weder das Alleingelassenwerden, noch übermäßiger Zuspruch und tröstende Worte helfen dem Hund mit der Angstsituation fertig zu werden. Der Halter sollte sich möglichst „neutral“ verhalten, um die Situation nicht noch ungewöhnlicher zu machen. Unbewusstes Belohnen des Angstverhaltens durch den Besitzer abstellen, d.h. verstärkte Zuwendung durch Ansprechen, Streicheln, intensives Ansehen, usw. vermeiden. Setzen Sie sich neben Ihren Hund und lesen Sie ein Buch oder essen Sie etwas. Dies hat auf Hunde eine beruhigende Wirkung.

  • Wenn der Hund einen besonderen Zufluchtsort hat, den er von sich aus aufsucht, wie z.B. unterm Bett oder das Badezimmer, sollte dieser immer frei zugänglich sein.

     Fenster und Türen geschlossen halten und eine unauffällige Geräuschkulisse

  • durch beispielsweise Radio oder Fernseher herstellen.

  • Ängstliche Hunde sollten niemals mit zu einem Feuerwerk genommen werden

  • und in der „gefährdeten“ Jahreszeit (29.12.-6.1.) nur an einer langen Leine spazieren gehen.

  •  Allgemeiner Stressabbau vor dem Silvesterabend ist sinnvoll. Der Hund sollte in ruhiger Umgebung sowohl körperlich als auch geistig ausgelastet werden. Zur geistigen Auslastung eignen sich z.B. Suchspiele und das Ausführen von einfachen Kommandos und Tricks, die auch zuhause durchgeführt werden können.

  • Wenn die Geräuschangst wirklich nur an Silvester auftritt und den Rest des Jahres kein Problem darstellt, kann eine medikamentöse Therapie angezeigt sein.

 

 

Quelle: LMU-München, Tierärztliche Fakultät, Veterinärwissenschaftliches Department, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung

 

 

Sabine Kerscher

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